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Der Ruhetag - Samstag oder Sonntag?

Der Ruhetag – Samstag oder Sonntag?

Vorbemerkung:

Der wöchentliche Ruhetag war im Altertum unbekannt. Noch um die Zeit des Jahren Null unserer Zeitrechnung haben die Griechen die Juden als Faulenzer verspottet, weil diese einen Tag in der Woche ruhten (Sabbat machten). Erst nach und nach nahmen andere Völker und Religionen die Idee vom Ruhetag auf. Das "Geschenk", das die Juden mit dem Sabbat der Völkergemeinschaft gemacht haben, kann nicht hoch genug bewertet werden.

Folgende Fragen wurden gestellt:

Erste Frage:

- Warum soll der wöchentliche Ruhetag gerade am Samstag gehalten werden?

Antwort:

- Für Juden gilt der Samstag als Ruhetag. Die Begründung hierfür findet man in der hebräischen Bibel; sie beschreibt die Konstituierung des jüdischen Volkes und ist die Quelle seines Glaubens und seiner Religion. Es gibt da einige Stellen, die den siebten Tag als den Ruhetag (hebräisch = Schabbat) bestimmen, wobei die Woche mit dem Sonntag beginnt.

a. In der Schöpfungsgeschichte heißt es, dass Gott die Welt in sechs Tagen geschaffen und am siebten Tag geruht hat. Damit wurde der Menschheit im allgemeinen, nicht nur den Juden, ein Beispiel zum Nachahmen vorgestellt.

b. In den Zehn Geboten wird der Sabbat als Ruhetag zur Pflicht erklärt (2. Moses 20):

8 Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig!
9 Sechs Tage darfst du schaffen und jede Arbeit tun.
10 Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun: du, dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin, dein Vieh und der Fremde, der in deinen Stadtbereichen Wohnrecht hat.
11 Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel, Erde und Meer gemacht und alles, was dazugehört; am siebten Tag ruhte er. Darum hat der Herr den Sabbattag gesegnet und ihn für heilig erklärt.

c. In 5. Moses 5 wird die Pflicht zum Ruhen am Sabbat mit der Sklaverei in Ägypten in Verbindung gebracht:

12 Achte auf den Sabbat: Halte ihn heilig, wie es dir der Herr, dein Gott, zur Pflicht gemacht hat.
13 Sechs Tage darfst du schaffen und jede Arbeit tun.
14 Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun: du, dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin, dein Rind, dein Esel und dein ganzes Vieh und der Fremde, der in deinen Stadtbereichen Wohnrecht hat. Dein Sklave und deine Sklavin sollen sich ausruhen wie du.
15 Denk daran: Als du in Ägypten Sklave warst, hat dich der Herr, dein Gott, mit starker Hand und hoch erhobenem Arm dort herausgeführt. Darum hat es dir der Herr, dein Gott, zur Pflicht gemacht, den Sabbat zu halten.

d. In 2. Moses 31 wird der Sabbat als Bund zwischen Gott und seinem Volk Israel deklariert:

12 Der Herr sprach zu Mose:
13 Sag den Israeliten: Ihr sollt meine Sabbate halten; denn das ist ein Zeichen zwischen mir und euch von Generation zu Generation, damit man erkennt, dass ich, der Herr, es bin, der euch heiligt.
14 Darum haltet den Sabbat; denn er soll euch heilig sein. Wer ihn entweiht, soll mit dem Tod bestraft werden. Denn jeder, der an ihm eine Arbeit verrichtet, soll aus seinen Stammesgenossen ausgemerzt werden.
15 Sechs Tage soll man arbeiten; der siebte Tag ist Sabbat, Ruhetag, heilig für den Herrn. Jeder, der am Sabbat arbeitet, soll mit dem Tod bestraft werden.
16 Die Israeliten sollen also den Sabbat halten, indem sie ihn von Generation zu Generation als einen ewigen Bund halten.
17 Für alle Zeiten wird er ein Zeichen zwischen mir und den Israeliten sein. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht; am siebten Tag ruhte er und atmete auf.

Zweite Frage:

- Warum ist der Ruhetag bei Christen der Sonntag?

Antwort:

- Die einfache und gängige Erklärung lautet, dass Jesus an einem Sonntag auferstanden ist und deshalb der Sonntag als Ruhe- und Feiertag eingeführt wurde.

- Eine etwas erweiterte Erklärung ist hier von Nöten: Bekanntlich waren Jesus und seine Anhänger (später Christen genannt) Juden. Sie achteten die jüdische Religion und die mosaischen Gesetze. Paulus wollte jedoch den Glauben an Jesus ausbreiten und unter die Völker bringen. Er wollte die Menschheit christianisieren. Um den Römern, den Griechen und den Heiden die Konversion zum Christentum zu erleichtern, hat er die folgende Parole ausgegeben:
"So soll euch nun niemand richten wegen Speise oder Trank, oder wegen eines Festes oder Neumonds oder Sabbats" (Kolosser 2, 16).

Mit diesem für das jüdische Volk unsäglichen Satz hat er Folgendes bewirkt:

a. Er hat den Glauben an Jesus als alleiniges Heil proklamiert;
b. die Annahme des neuen Glaubens, der neuen Religion, bedurfte lediglich des Bekenntnisses. Die bisherige Gesetzes-Religion verwandelte sich in eine Bekenntnis-Religion;
c. der Glaube hatte keine Gesetze oder Normen zum Inhalt (ein Beispiel u.a.: die fortschrittlichen mosaischen Gesetze zur Behandlung von Sklaven waren gegenstandslos);
d. selbst ethische Normen, wie die in den Zehn Geboten aufgelisteten, waren kein Bestandteil des Glaubens,
e. die Trennung zwischen der jüdischen Religion und dem Glauben an Jesus war vollzogen;
f. die christlichen Gemeinden im jüdischen Volk haben sich aufgelöst.
Die weitere Geschichte des Judentums und des Christentums ist bekannt.