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Teilnahme am christlichen Gottesdienst

Teilnahme am christlichen Gottesdienst

die Frage, die mir hier gestellt wurde, hat einige Facetten, auf die ich eingehen werde.

Antwort:

- Die Teilnahme an einem nicht jüdischen Gottesdienst ist allgemein unzulässig. An mehreren Stellen in der Tora wird streng darauf verwiesen, dass man auf den Wegen der Völker, also der Nicht-Juden nicht wandeln darf, man darf sich an ihre religiösen Gebote und Regeln nicht halten. Zwar ist in der Tora die Rede von den Gewohnheiten und Handlungsweisen der Heiden, da die Juden damals allein eine monotheistische Religion hatten, jedoch ist das Verbot auch auf die anderen, auch die monotheistischen Religionen zu übertragen.

- Die Frage, ob der Gottesdienst in einem Gebetshaus (z.B. Kirche) abgehalten wird oder an einem sozusagen neutralen Ort (z.B. einer Schule) ist unerheblich. Es geht nicht um den Ort oder um die zeremonielle Handlung, es geht darum, welcher Gott in welcher Weise angerufen wird.

Wir gehen zwar davon aus, dass der Gott derselbe ist, es gibt ja schließlich nur einen und dieser Eine ist sowohl der Gott der Christen und Moslems als auch der Juden.

Jedoch, und das muss betont werden, obwohl wir demselben Gott dienen, der Glaube ist sehr verschieden. Ich bin kein christlicher Theologe, aber für einen Juden grenzt der Glaube an die Dreifaltigkeit an Gotteslästerung.

Ferner muss hervorgehoben werden, das die Kirche, insbesondere die Heilige Katholische Inquisition durch ihre erbarmungslose Verfolgung von Juden während vieler Jahrhunderte, eine Ökumene, als auch einen überreligiösen Gottesdienst, für das traditionelle Judentum ausgeschlossen hat; für reformierte Gemeinden mag dies vielleicht anders aussehen.

- Unsere Weisen haben stets betont, dass selbst Handlungen, die nicht unbedingt als verboten im religiösen Sinn eingestuft werden müssen, jedoch dem Anschein nach als frevelhaft angesehen werden können, zu unterlassen seien. Die Begründung hierfür ist der Gedanke, dass sowohl Juden als auch Nicht-Juden dies missverstehen könnten. Insbesondere könnten Juden verführt werden, solch eine Handlung als erlaubt zu betrachten.

Die Teilnahme an einer Feier, bei der ein katholischer Mönch eine Predigt hält, ist selbst bei einem weitgehenden Verzicht seinerseits auf kultische Handlungen zu unterlassen. Es ist anzunehmen, dass ein Mönch bei einer Schulabschlussfeier einen Segen ausspricht, also die Versammelten segnet. Allein diese Möglichkeit ist Grund genug, solch einer Veranstaltung fernzubleiben.

- Ich möchte nicht den Verdacht der radikalen Ablehnung gegenüber christlichen Menschen aufkommen lassen. Gegen eine Teilnahme an Feierlichkeiten mit Andersgläubigen ist im allgemeinen nichts einzuwenden, wenn es jedoch während einer solchen Feier zu Handlungen wie oben beschrieben kommt, sollte man sich vorübergehend unauffällig dem entziehen.