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Gebote - wann darf man sie übertreten?

Gebote – wann darf man sie übertreten?

folgende Frage wurde gestellt:

es ist eine Pflicht, am Sederabend (am Vorabend des Pessach-Festes) Matze zu essen.

Wenn jedoch die Matze wegen einer Allergie gesundheitsschädlich ist, was dann?

Antwort:

- Es gibt bekanntlich 613 Gebote in der Tora.

- Unsere Weisen haben bereits in früher Zeit erkannt, dass nicht alle Gebote unter allen Umständen befolgt werden können.

- In Anlehnung an die Tora haben sie zwei Meta-Normen formuliert, die für das jüdische Recht (und für die jüdische Theologie) richtungweisend sind:

- Im 5. Moses 4, 1 heißt es, "die Gesetze und Rechtsvorschriften, die zu üben ich euch lehre, damit ihr lebt". Das bedeutet, dass die Gesetze dafür da sind, um mit ihnen und durch sie zu leben, sagten die Weisen. Das Leben ist das höchste Gut, und wenn die Befolgung eines Gebots dieses Gut im Einzelfall zu beschädigen geeignet ist, darf man es vernachlässigen.

- Ein weiteres wichtiges Prinzip ist die persönliche Erhaltung der Gesundheit und Unversehrtheit durch jedes Individuum. Dieses Prinzip ist verankert, so die Weisen, in dem Satz "so hütet wohl eure Seelen" (5. Mose 4, 15). Der Mensch ist außerdem verpflichtet, als Gottes Geschöpf seinem Schöpfer zu dienen. Dies kann er nur dann in vollem Umfang tun, wenn seine Gesundheit in gutem Zustand ist.

- Lediglich bezüglich dreier Gebote heißt es im Talmud "auch wenn er sterben muss, darf er sie nicht übertreten". Es handelt sich um die Kardinalsünden Götzendienst, die Ermordung eines Menschen und Inzucht. In diesen drei Fällen darf die Sünde nicht begangen werden, selbst wenn der Tod droht.

- Aufgrund dieser Richtlinien kann man eindeutig feststellen, dass das Gebot Matze zu essen dem Gebot, die Gesundheit zu bewahren, weichen muss.